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G – wie Gewicht

Dieses böse G-Wort beschäftigt mich schon seit Teenager-Tagen, mal mehr und mal weniger. Manchmal frage ich mich, wie man sich über so ein “unwichtiges” Thema so viele Gedanken machen kann und wie einem fünf Kilo mehr oder weniger auf den Rippen so wichtig sein können. Genau analysieren kann ich dieses “psychologische Wunder” nicht, aber zumindest ein paar Worte über dieses Thema schreiben sollte drin sein. 😉

“Ich bin wie der Mond, mal zunehmend und mal abnehmend.”

Ich weiß nicht, von wem dieser vielzitierte Satz stammt, aber er trifft (leider) voll auf mich zu.

Ich bewundere Menschen, wie meine Freundin aus Kindertagen, die mit 18, 25, 30 und 50 Jahren noch in ihr Brautkleid passen, weil sie ihr Leben lang die gleiche Konfektionsgröße haben. Ich hingegen könnte nicht mal mit Sicherheit sagen, ob ich in einem Monat noch den Reißverschluss meiner (Stretch!-)Jeans zu bekomme.

Von 48 kg (mit 19 und magersüchtig) bis 90 kg (mit 35 und undiszipliniert essend) habe ich schon alle Gewichtsklassen und Konfektionsgrößen von 36 bis 46 durch.

Seit ein paar Jahren hat sich mein Gewicht in einem gewissen (halbwegs verträglichen) Rahmen eingependelt. Es schwankt jeweils um bis zu 5 / 6 kg und einer Größe 40/42.

Wenn ich mal wieder längere Zeit über die Stränge geschlagen habe, kontaktiere ich meinen guten Freund Herrn Weight Watchers und lebe ein paar Wochen streng nach Plan.

“Entweder bin ich dünn, weil ich traurig bin oder ich bin traurig, weil ich nicht dünn bin.”

Auch dieses Zitat aus einem Buch (leider weiß ich nicht mehr aus welchem) passt wie die Faust aufs Auge.

Am wenigsten wog ich, wenn ich Liebeskummer hatte oder Single war. Stetig ansteigen tat mein Gewicht in einer längeren Beziehung. Ich kann nicht mal sagen, ob das an der sich einstellenden Bequemlichkeit liegt, an dem nicht mehr ganz so wichtig erscheinenden “Marktwert” oder ganz einfach, weil Essen zu zweit einfach so schön gemütlich ist.

Sobald ich nur den Anflug von Beziehungskummer verspürte, stellte mein Körper jegliches Verlangen nach gesunder und ungesunder Nahrung ein. Ich hatte weder Hunger noch Appetit und aß so gut wie gar nichts mehr. Ich weiß selbst, dass das kein guter Umgang mit meinem Körper ist, kann diesen Automatismus aber nicht stoppen. Und außerdem machte es mich quasi im Kummer glücklich, wieder in Größe 36 zu passen. Wenigstens ein Lichtblick sozusagen.

Ja, ich war sogar wirklich eine Zeit lang so verrückt, mein seelisches Wohlbefinden entweder von der Zahl auf meiner Waage oder der gerade passenden Konfektionsgröße abhängig zu machen.

52 kg und Größe 36 / 38 ließen mich strahlend und gut gelaunt durch die Welt schreiten, abends in Clubs bis zur Erschöpfung tanzen oder mit Freunden spontane Strandpartys planen. 60 kg und Größe 38 / 40 dämpften meine Stimmung auf “ich will nicht darüber sprechen”, das Ausgehen auf Kinobesuche reduzieren und vor Ausflügen zum Baggersee oder an den Strand graute mir. Jedes Gewicht darüber ließ schwarze Wolken über meinem Kopf schweben, mein Home zu meinem Castle werden und nicht mal im Traum verschwendete ich einen Gedanken an Strand, Baggersee, Badeanzüge oder gar Bikinis.

Und dann gibt es ja noch diesen famosen Satz von Kate Moss, für den ich sie gerne mal zu Rede stellen würde.

Nichts schmeckt so gut, wie es sich anfühlt dünn zu sein.

Echt jetzt??? Und wie verhält es sich zum Beispiel mit einer Tafel “Alpenmilch” von Ritter Sport??? Oder Funny Chips frisch Peperoni??? Oder cremiger Sahne-Nuss-Torte???? Oder Dickmanns Schokoküssen???? (sorry Namensnennung und somit Werbung, aber unbezahlte.)

Ganz ehrlich, außer zu der Zeit, als ich krankhaft dünn (magersüchtig) war, konnte ich noch nie zu Schokolade, Kuchen, Chips und gehaltvollem Essen, wie zum Beispiel Grünkohl mit Kohlwurst, Kassler und Kartoffeln, nein sagen. Natürlich weiß ich schon beim Essen dieser “sündigen” Nahrungsmittel, dass sie “einen kurzem Moment Genuss bringen aber für immer auf den Hüften bleiben”.

Und trotzdem hat es mich nie davon abgehalten diese Dinge zu essen, auch wenn ich genau wusste, dass es sich für mich besser anfühlt, dünn zu sein.

Menschen, die alles in Maßen essen und genau ihre Grenzen kennen sind mir gleichermaßen suspekt wie ich sie dafür bewundere. Ich hingegen schlage mir den Bauch voll, wenn es schmeckt und denke hinterher, kein Wunder, dass sie (oder er oder wer auch immer) in Größe 36 passt und ich eben eher in Größe 40/42.

Zum Glück gibt es in meinem näheren Umfeld ein paar Mädels, die sind wie ich. Mal mehr, mal weniger “rund”. Hin und wieder fangen wir alle gemeinsam mit Herrn Weight Watchers ein Techtelmechtel an und nach ein paar Wochen stellen wir beim gemeinsamen Frühstück oder Kaffeetrinken fest, dass die eine oder andere (meistens alle Anwesenden) schon seit einiger Zeit keine Punkte mehr zählen.

So soll es also sein, dass ich eher der “Rubens-Typ” bin und bleibe. Nur an eine Abmachung mit mir selbst halte ich mich seit einigen Jahren ganz strikt: Niemals über eine gewisse Gewichtsgrenze hinwegkommen. Und das klappt wirklich gut. Kurz vor Erreichen dieser Demarkationslinie kontaktiere ich Herrn WW und verbringe einige Wochen mit ihm und seinem Punktekontingent.

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